Ist guter Geschmack lernbar?

Es gibt ja viele Ideen, wie man Kinder dazu bringt, gesünder zu essen. Ein wichtiger Punkt dabei ist selbstverständlich, ob den Kindern das Essen schmeckt – und dabei kommt es nicht nur auf die Kochkünste der Mamma an. Was den Kindern schmeckt und was nicht wird zu einem erheblichen Teil bis in die frühe Kindheit gelernt. Dazu gibt es viele spannende Erkenntnisse, die wir uns zu Nutze machen können.

Lest in unserem ersten Teil, wie wichtig die gesunde und gute Ernährung während der Schwangerschaft ist! Schokokuchen, Pommes und Co während der Schwangerschaft beeinflussen den späteren Geschmack des Kindes. Es wird viel eher auch zu Schokokuchen, Pommes und Co greifen, als wenn die Mama schon in diesem frühen Stadium Vorbild ist und viel Gemüse und Obst isst. Dein Kind wird es Dir danken.

 

Geschmack bahnt sich schon im Mutterleib

Gerne wird ja vieles auf die Gene geschoben. Doch nur sehr wenige Geschmacksvorlieben sind wirklich mit genetische Faktoren verbunden. Die meisten der sogenannten Präferenzen werden durch Erfahrungen erworben. Und diese Erfahrungen beginnen schon recht früh im Mutterleib. Sie setzen sich im Prinzip ein Leben lang fort. Die wichtigste Phase dafür ist allerdings die frühe Kindheit – sie gibt den Grundsetin für unser Leben.

Allergieprävention schnabel-auf.de 4 (Kopie)Neben dem Hören ist das Schmecken der frühste Sinn, der sich beim Embryo entwickelt. Die ersten Geschmacksknospen bilden sich schon mit etwa 8 Wochen. Etwa ab der 12. Woche, wenn das sich entwickelnde Kind zu schlucken anfängt werden durch Geschmackssubstanzen im Fruchtwasser auch die fetalen Geschmacksrezeptoren aktiviert. Wusstet Ihr, dass so ein Fetus (lateinische Begriff für Fötus) je nach Entwicklungsstadium bis zu 750 ml Fruchtwasser jeden Tag trinkt?

Und damit ist er natürlich einer sehr großen Anzahl von Geschmacksstoffen ausgesetzt. Vor allem gelangen eben Aromastoffe aus der mütterlichen Ernährung ins Fruchtwasser. So bekommen unserer Ungeborenen schon eine gewisse kulturelle Prägung des Geschmackes, lange bevor sie überhaupt mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

 

Evolutionsbedingte Vorgaben

So kann man in späteren Entwicklungsphasen eindeutig erkennen, wie der Fetus auf Veränderungen des Geschmackes des Fruchtwassers reagiert. So bevorzugt er um die 30. Woche herum eindeutig ein süßeres Fruchtwasser und trinkt mehr davon, als wenn es bitter schmeckt. Hier gibt es ganz bestimmt einen genetischen, evolutionsbedingten Zusammenhang.

Aus unserer Entwicklungsgeschichte heraus ist es sinnvoll, süß zu bevorzugen, da dies der „Sicherheitsgeschmack“ ist. Süße Lebensmittel sind in der Regel energiereich und ungiftig, zwei sehr wichtige Eigenschaften für unsere Vorfahren.

Bitter hingegen soll vor giftigen Lebensmitteln warnen. Man vermutet, dass auch die anderen Grundgeschmäcker wichtige Hinweise geliefert haben: Sauer warnt vor verdorbenen Lebensmitteln und salzig weist auf Mineralreichtum hin.

Auch die vor einigen Jahren neu entdeckte Geschmacksrichtung umami (=wohlschmeckend) hat wohl einen Sinn. Sie weist auf eine gute Proteinquelle hin, was für unsere Vorfahren sehr wichtig war. Umami kommt in der Natur vor allem in tierischen Lebensmitteln vor.

Grundgeschmack Angeborene Reaktion Entwicklungszeit
Süß Positiv Vor der Geburt
Sauer Ablehnend, nicht ganz gesichert Vor der Geburt
Salzig Positiv Mit 4-6 Monaten
Bitter Ablehnend Vor der Geburt
Umami Nicht gesichert ungeklärt

 

 

Tabelle 1: Angeborene Reaktionen auf Geschmack (nach David Mela: Development and Acquisition of Food Likes.)

Lest in unserem zweiten Teil, wie es nach der Geburt weitergeht. Welchen Einfluss hat die Stillzeit auf unsere Kinder und später dann die normale Kost am Familientisch?

Teil 2 gibt es am Freitag hier bei uns auf Schnabel-auf.de

 

 

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