In Teil 1 des Themas haben wir gelernt, wie wichtig es ist schon in der Schwangerschaft Einfluss auf den spätern Geschmack des Kindes zu nehmen. So weit so gut. Und natürlich geht das nach der Geburt erst richtig los. Denn nun nehmen wir direkt Einfluss, was in die kleinen Bäuchlein wandert.

Der Einfluss der Muttermilch

Die nächste Prägungsphase kommt dann mit dem Stillen. Auch hier bestimmt wieder die Ernährung der Mutter, welche Aromastoffe das Baby mit der Muttermilch aufnimmt. Diese Aromen sind schon ein bis zwei Stunden nach dem Essen in der Muttermilch nachweisbar. Was die Mamas essen, trägt mit dazu bei, die Vorlieben des Kindes zu beeinflussen. Das ergab auch eine Untersuchung von amerikanischen Forschern: Wenn die Mütter in der Schwangerschaft und der Stillzeit viel Karottensaft tranken, dann bevorzugten später die Kinder beispielsweise Haferflocken, die mit Karottenaroma versetzt waren.

Oder wie Sara weiß: “Meine Liebe zu Curry hat sich auch auf meine Tochter übertragen. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit wurde ebenso viel asiatisch gekocht, wie davor auch. Und siehe da: mochte das Baby den Gemüsebrei nicht – mit etwas Currypulver drüber wurde es zum Hochgenuss. Nur das mit der Schärfe hat sich nicht übertragen – das mag Leni noch heute nicht.”

Natürlich hat auch bei nicht gestillten Babys die Flaschennahrung einen Einfluss auf die Prägung. Da Fertignahrung sehr häufig mit Vanillearomen versetzt ist, um die Akzeptanz zu verbessern, bevorzugen nicht gestillte Kinder später Nahrungsmittel, denen ebenfalls Vanillearomen zugesetzt sind (z.B. Ketchup). Dagegen bevorzugen in diesen Tests gestillte Kinder die nicht aromatisierten Proben.

 

Lernen durch den sozialen Kontext

Wichtig für den Lerneffekt der Kinder ist auch der Zusammenhang mit sozialen Ereignissen. Eines unserer größten Probleme heutzutage ist bekanntlich das Übergewicht. Aus Tierversuchen und aus der Erforschung der Lebensweise unserer Vorfahren wissen wir, dass wir dazu neigen, Lebensmittel mit vielen Kalorien zu bevorzugen. Dies war früher auch durchaus sinnvoll, da unsere Vorfahren vor allem das Problem hatten, jeden Tag genügend Kalorien zu essen. Dafür hat die Natur in unserem Gehirn ein Belohnungssystem eingerichtet. Das macht es uns heute so schwer, die „richtige“ Entscheidung gegen zu viele Kalorien zutreffen.

Dazu kommt dann noch das soziale Lernen in unserer Kindheit. Kinder mögen vor allem Lebensmittel lieber, die sie in angenehmen Situationen essen gelernt haben. Und vermutlich werden auch bei Euch bei Festen, Geburtstagsfeiern und Feiertagen eher leckere (und eher ungesunde) Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen. Dazu kommt dann oft eine negative Verbindung zu gesunden Lebensmittel, die oft „unter Zwang“ gegessen werden. „Wenn Du Dein Gemüse nicht isst, dann gibt es keinen Nachtisch!“

Es muss Euch einfach klar sein, dass Eure Kinder vor allem von Modellen lernen. Diese Modelle sind Eltern, Geschwister, Freunde, Lehrer oder auch Helden aus Geschichten. Die Kinder übernehmen von diesen Vorbildern oft komplette Verhaltensmuster. Hier habt Ihr als Eltern die einmalige Chance der positiven Beeinflussung Eurer Kinder.

 

Der „Familiengeschmack“

Natürlich gibt es so etwas wie ein Familienmuster beim Essen. Wie ich oben schon dargestellt habe beginnt die familiäre Prägung schon im Mutterleib. Aber vor allem in der „Geschmackserziehung“ nehmen die Eltern eine Schlüsselrolle. Seid Euch bewusst, dass Eure Kinder jede, wirklich jede Eurer Äußerungen zum Essen bemerken. Und sie bemerken, ob das Gesagte auch zum Getanen passt.

In vielen Untersuchungen wurde gezeigt, dass das, was um Familientisch passiert einen entscheidenden Einfluss auf die späteren Geschmacksvorlieben der Kinder hat. Dort entstehen die individuellen Vorlieben und Abneigungen. Diese haben immer einen sehr engen familiären Bezug.

Diese Geschmacksprägungen sind sehr stabil und halten meist ein Leben lang. Aus diesem Grund solltet Ihr der Situation, in der gegessen wird sehr bewusst eine große Bedeutung beimessen. Vermeidet unbedingt negative Einflüsse wie Streitgespräche am Esstisch oder Gespräche über schlechte Schulnoten.

Gebt Euren Kindern eine gewisse Freiheit bei der Auswahl ihrer Speisen. Nehmt es mit einer gewissen Gelassenheit, wenn die Kinder zeitweise gewisse Lebensmittel ablehnen. Das ist ganz normal. Dafür solltet Ihr die Kinder immer positiv unterstützen, wenn Sie zum richtigen Essen greifen. Auf diese Weise ist es über die Jahre möglich, Eure Kinder in eine richtige Richtung zu schubsen und ihnen eine gesunde Zukunft zu ermöglichen.

Wenn Ihr Teil 1 verpasst habt zu diesem Thema und wissen wollt was in der Schwangerschaft schon wichtig ist, dann könnt Ihr hier nochmal reinschauen!

 

 

 

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