Rohkost für Kinder

Für viele Menschen ist es ein wichtiges Ziel, sich möglichst gesund zu ernähren. Die meisten Eltern wünschen sich, dass Ihre Kinder gesund essen. Doch was ist wirklich gesund? Gemüse und Obst soll möglichst wenig verarbeitet sein, heißt es in vielen Empfehlungen. Ist Rohkost für Kinder dann die Lösung? Lest hier eine umfassende Erklärung dazu, die den Ernährungs-Dschungel etwas aufhellen soll.

Ist Rohkost für Kinder gesund?

Der Ausgangspunkt unserer Betrachtung ist die Frage, warum es in den meisten Ernährungsempfehlungen heißt, dass gesunde Lebensmittel wie Gemüse oder Obst oder Kräuter möglichst wenig verarbeitet, erhitzt oder gekocht werden sollen. Das habt Ihr sicher auch schon oft gehört. Und womöglich habt Ihr Euch auch dabei gefragt, was das zu bedeuten hat. Was soll das heißen „möglichst wenig verarbeitet“?

Landen wir dann automatisch bei der Rohkost? Rohkost heißt, wie das Wort schon sagt, dass die Lebensmittel roh gegessen werden, also nicht erhitzt oder gekocht. Es gibt eine ganze Bewegung der „Rohköstler“, die diese Art der Ernährung für die gesündeste überhaupt halten. Und alle Krankheiten sollen damit verschwinden.

Rohkost für Kinder schnabel-auf.de
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Wie Ihr vielleicht aus meinem Unterton herauslesen könnt, stehe ich dieser Ideologie etwas kritisch gegenüber. Und das hat gute Gründe, die ich Euch im Folgenden aufzeigen will.

Ist Rohkost nicht unsere „Ur-Ernährung“?

Jein. Klar haben unserer Vor-Vor-Vorfahren nur Rohkost gegessen. Da gab es auch virl Rohkost für Kinder. Das ist aber schon verdammt lange her. Und die Forschung sagt uns, dass die Lebenserwartung der Menschen deutlich angestiegen ist, nachdem sie gelernt hatten, sich das Feuer nutzbar zu machen.

Und das Feuer war nicht nur dafür gut, dass weniger Leute erfroren sind. Es diente eben auch dazu mehr Lebensmittel essbar zu machen und einige Lebensmittel auch besser verdaubar zu machen. Und dazu zählt nicht nur das Fleisch, das hier immer wieder angeführt wird. Auch viele pflanzliche und „gesunde“ Lebensmittel werden durch Erhitzen für uns besser verdaubar.

Sanft garen macht viele Lebensmittel wertvoller

Viele Lebensmittel werden für uns wertvoller und gesünder, wenn sie gegart werden. Gerade für kleine Kinder ist das wichtig, wo der Verdauungsapparat noch nicht voll funktionsfähig ist. Natürlich sollen die Gemüse nicht „totgekocht“ werden, wie ich das noch von meiner Oma kenne. Je länger das Gemüse Hitze und Wasser ausgesetzt ist, desto weniger Vitamine und Mineralien enthält es noch.

Allerdings sind viele der ebenfalls sehr gesunden sekundären Pflanzenstoffe sehr hitzestabil. Sie bleiben also auch nach dem Kochen erhalten. Interessant ist, dass manche dieser sehr gesunden Stoffe erst entstehen, wenn die Zellen der Gemüse zerstört werden.

Hier ein Beispiel:

Der Brokkoli enthält einen supergesunden Stoff, das sogenannte Sulforaphan. Sulforaphan kann unter anderem Krebszellen abtöten und Entzündungen im Körper bekämpfen, hält die Blutgefäße sauber und kann bei der Zuckerverdauung helfen. Doch genau genommen enthält Brokkoli gar kein Sulforaphan. Es ist nämlich ein relativ aggressiver Stoff, den der Brokkoli nicht langfristig lagern möchte.

Wir nützen die Abwehrmechanismen der Natur

Deshalb lagert er in seinen Zellen zwei harmlose Stoffe direkt nebeneinander und erst, wenn die Brokkolizelle zerstört wird, bildet sich das etwas aggressive Sulforaphan. Warum der Brokkoli das so macht? Ganz einfach, um sich vor seinen Fraßfeinden zu verteidigen. Den wenn die Raupe in den Brokkoli beißt, dann bildet sich das aggressive Sulforaphan und die Raupe geht lieber zur Karotte.

grüne 15 Minuten Suppe (4) (Kopie)

Unser Körper hat im Laufe der Jahrmillionen gelernt, sich diese Stoffe aus der Natur zunutze zu machen. Allerdings müssen wir erst an diese Stoffe rankommen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, die wir idealerweise kombinieren sollten.

Erstens das Kauen. Bitte achtet vor allem auch bei Euren Kindern darauf, dass sie ihr Essen ausführlich kauen. Denn „die Verdauung beginnt im Mund“, wie schon unsere Großeltern uns immer vorgebetet haben. Und wir haben hier ja auch schon einiges über Essen im Familienkreis und ohne Stress geschrieben. Das dient unter anderem dem besseren Kauen. Nur wenn wir die Lebensmittel gut kauen, kommen wir an die wertvollen Inhaltsstoffe ran. Da ist es übrigens egal, ob gekocht oder roh – allerdings muss man Rohkost noch deutlich besser kauen.

Und das führt uns zu Punkt zwei der Möglichkeiten, dem Garen von Lebensmitteln. Das Garen oder Kochen von Lebensmitteln ist ein Hilfsmittel, um leichter an die guten Sachen darin heranzukommen. Dabei werden die Zellen nämlich leicht angeknackst, so dass ich bei der Verdauung nicht ganz so viel Arbeit habe. Koche ich allerdings die Lebensmittel zu lange, dann sind die Zellen schon ganz kaputt und die wertvollen Sachen verschwinden mit dem Kochwasser im Abfluss.

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Manche Lebensmittel sind roh giftig

Fast immer, wenn ich nach Rohkost gefragt werde, dann sage ich, dass man Rohkost auch Menschen umbringen kann. Klingt etwas drastisch, ist aber so. Auf der einen Seite gibt es zahlreiche Lebensmittel, die ungekocht giftige Stoffe enthalten. Und auf der anderen Seite ist es so, dass manchen Menschen Rohkost vom Verdauungsapparat her einfach nicht vertragen.

So enthalten beispielsweise Bohnen giftige Stoffe, die beim Kochen zerstört werden. Und alle Nachtschattengewächse wie Tomaten, Kartoffeln und Auberginen können das giftige Solanin enthalten. Solanin wird beim Kochen leider nicht zerstört. Aber bei gekochten Kartoffeln löst es sich zum größten Teil im Kochwasser und verschwindet so. Bei Tomaten und Auberginen verschwindet es im Laufe des Reifungsprozesses. Hier also nur ganz Reife Früchte verzehren, vor allem bei Kindern ist das wichtig, da sie nur sehr wenig Solanin vertragen. Bei Auberginen hilft auch das Salzen vor der Zubereitung da mit dem Wasser auch ein Teil des eventuell noch vorhandenen Solanins entfernt wird.

Übrigens enthalten auch Holunderbeeren und einige Speisepilze giftige Stoffe, die erst durch Erhitzen vernichtet werden. Zuchtpilze wie Champignons oder Austernpilze enthalten diese Stoffe nicht.

Das solltet Ihr mitnehmen

Gesund essen ist beileibe keine Raketenwissenschaft. Auch wenn es sich manchmal so anhört. Gesund essen ist vor allem eine Frage der Abwechslung und der Qualität der eingekauften Lebensmittel. Und so sollte eben auch bei der Zubereitung Abwechslung vorherrschen.

Natürlich darf Euer Kind mal eine Möhre aus dem Garten roh naschen oder es gibt zum Abendessen mal ein Rohkostplatte mit Dip. Das ist völlig in Ordnung. Und natürlich ist es völlig in Ordnung im Winter auch mal einen schönen Eintopf zu kochen. Und der schmeckt auch besonders gut, wenn am nächsten Tag noch einmal aufgewärmt wird. Natürlich braucht ihr dann nicht erwarten, dass da noch viele Vitamine drin sind. Aber ein paar gesunde sekundäre Pflanzenstoffe sind trotzdem noch vorhanden.

Aber es sollte halt nicht nur Eintopf geben. Und es sollte nicht nur Rohkost für Kinder geben. Abwechslung ist das entscheidende Stichwort beim gesunden Essen.

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Von |2019-10-01T20:19:41+02:00September 24th, 2019|Allgemein, Gesundes Zuhause, Gut zu wissen, Harys Artikel, Themenmonat Oktober|0 Kommentare

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