Bei vielen Menschen ist Fieber ein Symptom, das unbedingt bekämpft werden muss. Doch bei genauer Betrachtung ist es eine gute, fast schon geniale Reaktion des Körpers auf Krankheitserreger.

Zunächst einmal zu den trockenen Definitionen:

Die normale Körperkerntemperatur liegt bei 36,0 bis 37,2 Grad Celsius und wird sehr genau reguliert. Bis 38,5 Grad spricht man von „erhöhter Temperatur“, darüber spricht man von „Fieber“.

Fieber messen

Wie Sie wissen, gibt es verschiedene Möglichkeiten des Fiebermessens. Am genauesten, weil der Körperkerntemperatur am nächsten, ist die rektale Messung im After. Diese Methode der Fiebermessung wird vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern empfohlen. Ebenfalls sehr genau ist die Infrarotmessung im Ohr, wo die Temperatur des Trommelfells gemessen wird. Diese Messung ist etwas fehleranfällig, speziell wenn das Messgerät beispielsweise schief gehalten wird und nicht das Trommelfell trifft.

Dann gibt es noch die sublinguale Messung unter der Zunge. Auch sie ist relativ genau, aber das Ergebnis ist etwas unter der Körperkerntemperatur. Man sollte zum Messergebnis etwa 0,3 Grad dazuzählen. Ähnlich verhält es sich mit dem Fiebermessen unter der Achsel. Diese Messmethode ist die ungenaueste und man sollte etwa 0,5 Grad zur gemessenen Temperatur dazu zählen.

Fieberverlauf

Phase 1: Frieren

Häufig frieren die Menschen am Beginn einer Erkältung. Das ist die Phase, in welcher der Körper versucht, die Temperatur zu erhöhen und Fieber zu produzieren. Das Frieren kommt von der Zentralisierung des Blutes. Unser Körper zieht sein Blut aus der Haut ab (das macht auch die Blässe), um Wärmeverluste über die Haut  zu verhindern. Dazu fängt er an zu zittern, da bekanntlich durch Muskelaktivität Wärme entsteht.

Um Energie zu sparen, wird auch der Appetit und damit die Verdauungsarbeit zurückgefahren. In dieser Phase muss Ihr Kind nichts essen. Fasten ist auch im Tierreich ein häufig zu beobachtender Mechanismus, um schneller gesund zu werden. Es ist nur wichtig, dass Ihr Kind in dieser Phase genügend Wasser trinkt. Sehr viele kleine Schlucke Wasser ohne Kohlensäure, denn Übersäuerung schwächt nachweislich wichtige Funktionen des Immunsystems.

Dazwischen kann das Kind mal eine Tasse warmen Tee oder eine Tasse Hühnersuppe trinken. Das hilft dem Körper, die Wärme im Körper hochzufahren. Packen Sie Ihr Kind gut ein, auch ein Wärmflasche ist in dieser Fieberphase hilfreich.

Phase 2: Fieber

Diese Phase ist das eigentliche Fieber. Das Kind hat eine recht konstant erhöhte Temperatur. Das kann bei Kindern schnell auch mal 40 Grad oder auch etwas mehr sein. Fieber hat einige wichtige Funktionen, die das Gesundwerden beschleunigen: Durch die Beschleunigung des Herzschlages werden beispielsweise Abwehrzellen schneller im Körper bewegt. Die Geschwindigkeit vieler wichtiger Abwehrfunktionen steigt bis zu einer Körpertemperatur von 41 Grad stetig an. Gleichzeitig sinkt die Vermehrungsgeschwindigkeit der meisten Krankheitserreger deutlich ab, da viele dieser Erreger ihr Lebensoptimum bei etwa 37 Grad haben.

Fiebersenkende Maßnahmen sind in sehr vielen Fällen nicht unbedingt nötig, fiebersenkende Medikamente verzögern nachweislich das Gesundwerden. Ich rate dann zu fiebersenkenden Maßnahmen, wenn das Kind unter der hohen Temperatur sichtlich leidet. Mehr zu sinnvollen fibersenkenden Maßnahmen finden Sie hier. Selbst das bei Kindern oft schnell steigende Fieber steigt so gut wie nie über eine kritische Marke von 41,4 Grad Celsius. Achten Sie bitte auch in dieser Fieberphase darauf, dass Ihr Kind reichlich Wasser in kleinen Schlucken trinkt.

Phase 3: Schwitzen und gesund werden

In der letzten Krankheitsphase stellt der Körper auf  Regeneration und Gesundung um. Das erste Zeichen davon ist, dass der Köper zu schwitzen beginnt und so versucht, die Temperatur zu senken. Damit beginnt in der Regel auch das Fieber zu sinken, die Lebenskräfte kommen ebenso wie der Appetit langsam wieder.  Jetzt dürfen auch wieder Nudeln und etwas  Gemüse in die Hühnersuppe ;-).

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind in den verschwitzen Sachen nicht friert. Es sollte sich auch nicht zu früh zu stark belasten. Übrigens ist Schonung während der Krankheit sicher eine gute Idee, Bettruhe ist nicht unbedingt nötig.

Fieber und Gesundheit

Ich freue mich immer, wenn ein Körper in der Lage ist, mit Fieber auf Krankheitserreger zu reagieren. Das zeugt von einer guten Verfassung des Abwehrsystems. Ein Immunsystem, das trotz Krankheiten jahrelang kein Fieber produziert, funktioniert nicht richtig.

Darauf deuten auch die Ergebnisse einiger Studien hin, die die gesundheitliche Entwicklung in Laufe des Lebens beobachtet haben. Dabei hat man herausgefunden, dass Menschen, die in der Kindheit hin und wieder echtes Fieber hatten, später im Leben deutlich gesünder waren. So hatten sie weniger Allergien und auch weniger chronische Erkrankungen wie etwa Rheuma. Fieber ist also keineswegs so zu verteufeln, wie dies in den letzten Jahrzehnten geschehen ist – ganz im Gegenteil!