Ihr kennt den Hinweis, dass man genügend Trinken soll. Doch was ist genügend und was soll man trinken? Darüber wird seit Jahrzehnten diskutiert. Mal zählt der Kaffee mit zum Trinken dazu, mal nicht. Und was ist eigentlich mit Tee?

Das wichtigste diesmal vorneweg: aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich sagen: zum Trinken zählt nur das, was wir als „leeres“ Wasser trinken. Alles andere sind entweder Lebensmittel, die vom Verdauungssystem verdaut werden müssen oder es sind Genussmittel, die den Körper erstmal belasten.

Deshalb zählt zur täglichen Trinkmenge aus gesundheitlicher Sicht nur das reine Wasser. Und davon solltet Ihr Erwachsenen etwa 2 Liter am Tag trinken. Und Eure Kinder je nach Alter und Bewegungsdrang zwischen 1 und 2 Liter. Und natürlich ohne Kohlensäure, um die allgegenwärtige Übersäuerung mit all ihren negativen Folgen nicht auch noch beim Trinken zu fördern.

Natürlich darf man mal eine Spalte Bio-Zitrone oder Bio-Limette ins Wasser geben, oder ein paar Beeren in die Karaffe geben. Auch ein paar Kräuter wie Minze oder Zitronenmelisse sind erlaubt, allerdings nicht dauernd.  Bitte gewöhnt Euren Kindern nicht von klein auf an, dass alles intensiv nach irgend etwas schmecken muss. Wasser ist halt am besten, wenn es ohne alles ist.

Wofür ist das Wasser wichtig?

Euer Körper braucht das Wasser für drei wichtige Dinge. Zum einen für alle Stoffwechselvorgänge. Alles, was unser Körper an innerhalb und außerhalb der Zellen tun muss, findet in wässriger Lösung statt und braucht Wasser. Das ist zum Beispiel auch für ein gutes Abwehrsystem ganz wichtig.

Das zweite ist die Temperaturregelung. Das Schwitzen ist da eine der elegantesten Lösungen der Natur. Euer Hund kann beispielsweise  nicht schwitzen, der muss hächeln. Je nach Temperatur verlieren wir über das Schwitzen bis zu einem halben Liter Wasser, Sportler natürlich deutlich mehr.

Die dritte wichtige Eigenschaft, für die wir das Waser brauchen ist die Entgiftung. Heutzutage ist diese Eigenschaft nicht zu unterschätzen, da wir mehr und mehr Giftstoffen ausgesetzt sind. Und dafür brauchen wir reines Wasser, in dem möglichst wenig schon drin ist. So sind in Apfelschorle oder im Tee schon reichlich andere Stoffe enthalten und die Transportmöglichkeiten des Wassers sind deutlich eingeschränkt.

Falls Euch die Werbung erzählen will, dass Ihr durch das Wasser auch Mineralien wie Magnesium und Kalzium aufnehmen könnt, dann möchte Ich hier klarstellen: das funktioniert nicht. Die Mineralien im Wasser behindern höchsten seine Entgiftungsfunktion, aufnehmen können wir diese fast gar nicht.

Ich habe keinen Durst

Wie oft habe ich meine Patienten dazu ermahnt, mehr zu trinken. Und wie oft habe ich dann gehört: „ich habe aber keinen Durst“. Dazu gibt es zwei wichtige Dinge zu sagen. Zum einen was jeder Sportler bestätigen kann. Man lernt als Sportler, dass man trinken soll bevor man Durst bekommt. Wenn der Durst sich meldet, dann ist es schon zu wenig und die Leistungsfähigkeit lässt nach.

Und noch was wichtiges sollte man wissen: wenn Ihr über längere Zeit zu wenig trinkt, dann stellt der Körper das Durstgefühl einfach ein. Das heißt, Ihr spürt keinen Durst mehr, obwohl Ihr zu wenig trinkt. Das ist ganz ähnlich wie beim Heilfasten, vielleicht kennt der eine oder andere von Euch da ja. So etwa ab dem dritten Tag des Heilfastens hat man keinen Hunger mehr.

Ich kann Euch dazu eine Geschichte von meiner Oma erzählen. Auch ihr habe ich immer wieder gepredigt, dass sie mehr trinken muss. Als ich sie eines Tages danach gefragt habe, da meinte sie, sie könne nicht mehr Wasser trinken, das bekommt ihr nicht. Auf meine Frage, was denn dann passiert sagte sie,  sie bekommt einen so trockenen Mund, wenn sie mehr Wasser trinkt. Es war nicht so leicht ihr zu erklären, dass der „trockene Mund“ das längst vergessene Durstgefühl war, dass wiederkommt, wenn man mehr trinkt.

Speziell bei Kinder wichtig

Auf genügend Wasser zu achten ist gerade bei Kindern besonders wichtig. Der Körper Eurer Kinder enthält mehr Wasser als der von Erwachsenen, deshalb reagieren Sie auf Wasserverlust viel empfindlicher. Schon ein geringer Mangel wirkt sich auf die Leistungsfähigkeit und den Stoffwechsel aus und wenn der Flüssigkeitsmangel mehr wird, wir des bei Kinder schnell auch gefährlich.

Die richtige Menge erkennt Ihr am Urin. Sobald Euer Kind nicht mehr gelb pinkelt, habt Ihr die richtige Menge erreicht. Deutlich zu wenig ist es, wenn das Kind oft trockene Lippen hat, Gefährlich wenig ist es, wenn Ihr die Haut (z.B. am Bauch oder am Arm) abhebt und die Hautfalte bleibt sichtbar lange stehen.

Grundsätzlich gilt die Regel: Je jünger ein Kind ist, desto höher ist sein Flüssigkeitsbedarf, relativ zum Körpergewicht. Wie viel Wasser Kinder brauchen, ist nicht nur vom Alter abhängig, sondern beispielsweise auch davon, was und wie viel sie essen und vor allem, wie aktiv sie sind. Die folgende Tabelle für den Mindest-Flüssigkeitsbedarf orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, aber lieber sollen Eure Kleinen mehr trinken als zu wenig:

  • Ein- bis Vierjährige 820 ml/Tag
  • Vier- bis Siebenjährige 940 ml/Tag
  • Sieben- bis Zehnjährige 970 ml/Tag
  • Zehn- bis Dreizehnjährige 1170 ml/Tag
  • Dreizehn- bis Fünfzehnjährige 1330 ml/Tag
  • Fünfzehn- bis Neunzehnjährige 1530 ml/Tag

Aus Amerika kommend hat sich auch bei uns die Unsitte eingebürgert, alles möglichst kalt, am besten noch mit Eiswürfeln drin zu Trinken. Das ist offen gesagt Unfug. Es belastet den Körper sehr und viele Menschen vertragen das auch nicht. Die beste Temperatur ist zimmerwarm, viele Kulturen bevorzugen sogar eher warme Getränke zum Durst löschen, im indischen Ayurveda wird sogar empfohlen regalmäßig warmes Wasser zu trinken.

Was ist mit Tee?

Oft werden von Ernährungsexperten ungesüßte Kräutertees zum Trinken empfohlen. Hier gilt natürlich das gleiche wie gerade erzählt, dass die Entgiftungsmöglichkeiten des Wassers dadurch eingeschränkt werden. Und beim Tee ist noch etwas weiteres zu beachten: In der Naturheilkunde werden Tee´s wegen Ihrer Wirkungen gerne eingesetzt für bestimmte Therapien.  Und genau deshalb solltet Ihr bei Tees vorsichtig sein. Sie haben nämlich alle irgendeine Wirkung. In der Praxis habe ich es oft genug erlebt, dass vor allem Kinder sehr empfindsam darauf reagieren. Immer wieder kam es vor, dass die zu behandelnden Symptome einfach nur Wirkungen von zu viel Kräutertee waren. Nach Umstellung auf Wasser sind die Symptome verschwunden.

Der einzige Tee, den ich uneingeschränkt zum dauerhaften Trinken empfehlen kann, ist der grüne Tee. Wenn man ihn richtig zubereitet, dann können ihn auch Kinder ohne Einschränkungen trinken – aber natürlich immer zusätzlich zur täglichen Wassermenge.

Eine genaue Anleitung zur richtigen Zubereitung von grünem Tee findet Ihr hier.

Und der Kaffee bei den Mamas und Papas?

Wie Ihr sicher alle schon bemerkt habt wirkt Kaffee entwässernd. Deshalb wir in guten Restaurants und Cafés ein Gals Wasser zum Kaffee gereicht. Das allein zeigt schon, dass Kaffee nicht zur täglichen Trinkmenge beiträgt. Ganz im Gegenteil, als klassisches Genussmittel kostet er uns Wasser.

Übrigens: sobald Ihr Milch oder Zucker in den Kaffee gebt, wird aus dem Genussmittel, das einfach durch den Magen rauscht, ein Lebensmittel. Das muss vom Magen-Darm-Trank verdaut werden. Dadurch erhöht sich die Zeit, in der die Giftstoffe im Kaffee zum Beispiel auf die Magenwand einwirken können. Es macht also den Kaffee deutlich unverträglicher.

Zusammenfassen heißt das also ganz einfach, nur Wasser zählt zur täglichen Trinkmenge. Zu den zwei Litern Wasser dürft Ihr gerne alles andere mit dazu trinken. Aber das Wasser ohne Kohlensäure ist tatsächlich unser wichtigstes Lebensmittel, da es alle wichtigen Lebensvorgänge am Laufen hält.

 

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