Heute Teil 3 unserer Interview-Reihe mit Papas aus ganze verschiedenen Lebenssituationen. Klas Bömecke ist homosexuell und Papa!

Klas Bömecke schnabel-auf.deKlas kenne ich (Sara) noch aus meiner Zeit beim Fernsehen. Wir haben damals für Pro7 Galileo zusammen gearbeitet. Klas vor der Kamera und ich dahinter als Redakteurin.Und Klas ist einfach super. Er ist lässig, er ist homosexuell und kein typischer Moderator, der sich das Näschen pudern lässt. Also war klar, dass wir Klas unbedingt für unsere Interview-Reihe gewinnen möchten. Und das haben wir 🙂

Klas Bömecke ist mitlerweile attraktive 46 Jahre alt und mit 43 Vater geworden. Er und sein Mann haben die Zwillinge Nikoalai und Ferdinand mit fast 3 Jahren. Also ein richtiger Männerhaushalt.

Beim Fernsehen ist Klas auch nicht mehr direkt. Er ist mittlerweile Coach, hat seinen eigenen Youtube-Kanal “German Recipes” und ist als Journalist tätig. So muss er nicht mehr verreisen und arbeitet halbtags, um dann als Daddy Vollgas zu geben.

Doch jetzt wird es spannend: was ist bei einer Vater-Vater-Elternschaft anders als beim typischen Mutter-Vater-Kind?

1. Wann und warum hast Du Dich mit Deinem Partner für Kinder entschieden und wie leicht oder schwer war es für Euch, Euch diesen Traum zu erfüllen?

Wir haben uns vor mehreren Jahren für Kinder „entschieden“. Es war ein Lebenstraum von meinem Mann, Vater zu sein. Ich musste mich erst an den Gedanken gewöhnen.
Als wir uns gemeinsam dafür entschieden hatten, fingen wir an alle möglichen Optionen zu prüfen. Kinderkriegen gemeinsam mit einem Lesbenpärchen oder einer Single-Freundin wären möglich gewesen, die Idee hat uns aber nicht gefallen. Schließlich wollten wir zwei Väter werden, und gemeinsam mit unseren Kindern eine Familie sein.
Ein Kind zu bekommen und es mit jemand Aussenstehendem zu „teilen“, schien uns für keinen der Beteiligten erstrebenswert. Vor allem auch nicht für das Kind.

Klas Bömecke schnabel-auf.de

Deswegen haben wir mit Hilfe einer Agentur eine anonyme Eizellenspende bekommen. Die wurde in einer Kinderwunsch-Klinik mit dem Sperma meines Mannes befruchtet und anschliessend wurden die Eier einer zweiten Frau eingepflanzt, die sie als Leihmutter ausgetragen hat.  Dadurch gibt es keine Frau, die sich als Mutter fühlt. Wir haben niemandem etwas weggenommen, sondern beide Frauen haben freiwillig und gegen gute Bezahlung eine Dienstleistung gemacht. Kann man drüber streiten, ob man das gut findet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass alle Beteiligten damit sehr zufrieden waren.
Das Ganze lief übrigens in St. Peterburg, weil so etwas in Deutschland verboten ist.

War ein langes und vielschichtiges Abenteuer. Das alles zu erzählen würde hier den Rahmen sprengen. Als die Kinder zwei Jahre alt waren,  ist dann auch endlich meine Stiefkindadoption der beiden über die Bühne gegangen. Seitdem sind wir auch vor dem Gesetz eine Familie, und die Jungs haben ganz offiziell zwei Väter.

2. Glaubst Du, Ihr macht irgendetwas anders als die „Normalo-Familien“?

Eigentlich nicht. Ich sage oft aus Scherz: Seitdem ich Daddy bin, bin ich nicht mehr schwul.

Andere Schwule können oft recht wenig mit meiner jetzigen Lebenssituation anfangen. Gemeinsamkeiten gibt es natürlich mit anderen Eltern – und die sind klassischerweise heterosexuell.

Vielleicht sind wir Männer ein wenig entspannter im Umgang mit kleineren Gefahren. Wir lassen die Kinder auch mal irgendwo klettern, wo sie runterfallen können, zum Beispiel. Das zahlt sich bislang aus. Sicher gibt´s mal ein blutiges Knie, aber die beiden sind auch sehr selbstbewusst und können schon recht gut einschätzen, was sie sich zutrauen können.
Generell versuchen wir, möglichst wenig zu helikoptern. Dafür sind wir immer da, wenn sie Sicherheit und Geborgenheit suchen.

3. Was hat sich für Dich positiv am allermeisten geändert, seitdem Du Kind/er hast und was ist manchmal anstrengender als früher?

Die Jungs sind super. Es ist toll, dass sie in unserem Leben sind. Ich glaube, niemand gibt Dir je im Leben so unbegrenzt seine Liebe wie Dein Kind. Das ist eine Wahnsinns-Erfahrung.

Anstrengender? Alles?!
Das alte Leben war schon deutlich entspannter und gechillter. Meine Ruhe vermisse ich manchmal. Und so richtig ausgeschlafen war ich auch schon länger nicht mehr.

4. Was ist oder war für Dich gerade anfangs die größte Herausforderung und wie hat sich das im Laufe der Elternschaft geändert?

Die größte Herausforderung war diese komplette Veränderung des Lebens. Die permanente Fremdbestimmtheit. Das nächtliche Aufstehen. Immer im Wachsamkeitsmodus zu sein. Das erste halbe Jahr war einfach hölle-anstrengend.
Inzwischen sind die Kinder so groß, dass vieles sehr viel entspannter ist. Ich mag es auch, dass wir uns jetzt richtig miteinander unterhalten können. Und ich liebe es, wenn wir uns zu dritt aufs Sofa kuscheln und ich ihnen ein Buch nach dem anderen vorlese. Sie übrigens auch.

5. Siehst Du Dich in Deinen Kindern wieder und berücksichtigst Du das in Deiner Erziehung? Also bist Du zum Beispiel aufbrausend und versucht genau das nicht zu vermitteln oder versucht Du Deine Talente weiterzugeben?

Ich versuche konsequent zu sein, manchmal bin ich auch streng. Aber vor allem will ich liebevoll sein. Ich will ihnen immer Geborgenheit geben und meine Liebe zeigen. Ich glaube, wenn sie sich bei ihren Eltern sicher und gut aufgehoben fühlen, können sie angstfrei und selbstsicher in die Welt hinaus gehen. Das funktioniert bis jetzt ziemlich gut.

6. Würdest Du an Deiner beruflichen Situation gerne etwas ändern?

Ich arbeite Teilzeit plus freiberuflich. Ja, ich hätte gerne mehr Zeit, um mich beruflichen Dingen zu widmen. Vieles kommt zu kurz. Vor allem meinen Youtube-Kanal würde ich gerne intensiver betreiben. Aber dafür fehlt oft die Zeit.
Andererseits hatte ich über zwanzig Jahre lang die Möglichkeit, meinen Beruf in den Lebensmittelpunkt zu stellen. Hat mir ein Burnout eingehandelt. Ist also vielleicht auch nicht das Nonplusultra.

7. Würdest Du gerne an deiner privaten Situation etwas ändern z.B. mehr Sport?

Wir stimmen uns ganz gut ab, so dass jeder von uns auch mal Zeit hat, Sport zu machen.
Bei der Zeit zu zweit ist noch Luft nach oben. Aber das sehen wir und daran arbeiten wir.
Eine der größten Herausforderungen ist es, nicht nur Eltern zu sein, sondern auch weiterhin Partner. Ich habe gelernt, dass man darauf echt acht geben muss.

Klas Bömecke schnabel-auf.de8. Was geben Dir die Kinder am meisten emotional? Hat sich Deine Sicht auf bestimmte Dinge geändert?

Klar. Wenn meine Jungs mich anstrahlen oder zu mir kommen, um mich zu umarmen, dann geht mir das Herz auf.
Und sie geben mir auch andere emotionale Höhepunkte: Wenn einer der beiden ausrastet und die Bude zusammenbrüllt, dann emotionalisiert mich das durchaus auch 😉

9. Welche Eigenschaften sind Dir wichtig an Menschen und insbesondere an Deinen Kindern?

Mir ist es wichtig, dass die Jungs ein gesundes Selbstbewusstsein bekommen. Gerade mit zwei Vätern und ohne Mutter halte ich das für zwingend notwendig. Und auch sonst schadet es nicht im Leben.  Aber darüber hinaus sollen sie empathische Menschen werden. Darauf achten wir sehr stark in der Erziehung. Sie kümmern sich sehr rührend umeinander und gehen mit anderen Kindern auch sehr nett um. Das ist uns wichtig.

10. Welchen Stellenwert hat bei dir eine gesunde Ernährung und wie bringst du deinen Kindern einen gesunden Umgang mit dem Essen bei?

Ich koche sehr gerne. Bei uns gibt es viel frisches Essen, kein Convenience-Food. Und wenn ich koche, holen die Jungs ihre Triptrap-Stühle, steigen drauf und schauen zu.
Oft „helfen“ sie auch: Umrühren, probieren, riechen, Schüssel ausschlecken.
Ich möchte, dass sie einen guten Zugang zu Lebensmitteln bekommen. Sie sollen wissen, was wie und wo wächst und wie man es verarbeitet. Dabei hilft die Tatsache, dass wir einen großen Nutzgarten haben. So kriegen sie mit, wie Früchte und Gemüse bei uns wachsen, wie man sie erntet und wie sie dann schmecken.

11. Hast du ein Lieblingsrezept für uns?

Ja, klar. Struwen!
Das sind kleine Hefepfannkuchen mit Rosinen. Niki und Ferdl lieben die. Und ich auch.
Wie man die macht, könnt ihr Euch in einem meiner Tutorials anschauen: https://youtu.be/ByY-Y9o2L6M

 

Danke Klas, für das tolle Interview! Wie wir sehen, sieht man sich immer zweimal im Leben. Und ich finde es toll, dass Du nun Papa bist!

Wer mehr von ihm wissen möchte:

https://www.klas-boemecke.de

 

Lest auch unsere anderen Papa Interviews:

Dad of Lotta – der Blogger Papa

Kai Schrader – Der Wochenend-Papa

 

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Von | 2018-11-01T18:26:11+00:00 November 15th, 2018|Allgemein, Papa-Interview, Saras Artikel, Themenmonat November|0 Kommentare

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