Auf der Suche nach passenden Papas für unsere Interview Reihe habe ich das Netz durchsucht und bin dabei auf den Berliner Johnny gestoßen. Johnny ist alleinerziehender Papa einer vierjährigen Tochter aus Berlin. Vor seiner Elternschaft hat er als Pädagoge gearbeitet und betreibt seit 4 Jahren den Blog johnnyspapablog.de. Neben dem Kinderbuchrezensionen schreibt er auch immer wieder über sein Vatersein, jenseits von coolen Klischees

Ich finde seine Buchrezensionen ebenso lesenswert, am liebsten möchte man dann gleich jedes einzelne vorgestellte Buch bestellen und den eigenen Kindern vorlesen.

Er schreibt nicht nur wunderbar, auch seine Ansichten rund um das Alleinerziehenden Herz können Euch stundenlang an den Laptop fesseln. Schaut mal bei ihm vorbei.

Und nun zum Interview:

alleinerziehender papa Johnny liest vor Papa Interview

  1. Du bist ja ein „Alleinerziehender Papa“: Wer ist Dein Ansprechpartner? Die weibliche Mama-Intuition? Glaubst Du, die gibt es oder ist es einfach eine Sache des Hineinwachsens in eine Rolle, die eben auch der Papa kann?

Intuition und Bauchgefühl sind zwei sehr wertvolle, aber auch sehr zweischneidige Dinge. Mir hilft es, auf Augenhöhe mit meinem Kind zu sein und ihre Sicht einzubeziehen. Das bedeutet aber auch, sich wirklich auf das Kind einzulassen. Da wächst man aber hinein, das lernt man, auch wenn es immer wieder Mal Kraft kostet.

  1. Was hat sich für Dich positiv am allermeisten geändert, seitdem Du ein Kind hast und was ist manchmal anstrengender als früher?

Allen und allem gerecht zu werden, das ist im Vergleich zu früher wesentlich anstrengender geworden. Da gab es weniger zu organisieren, weniger zu bedenken. Heute als Alleinerziehender ziehe ich in der Hinsicht häufig den Kürzeren. Im Gegenzug ist aber vieles genau dadurch, dass wir nur zu zweit sind, sehr viel intensiver geworden. Die positivste Veränderung ist die Erfahrung einer unglaublich tiefen Bindung mit einem Menschen. Und das, obwohl er mit mir verwandt ist… huch.

  1. Was ist oder war für Dich gerade anfangs die größte Herausforderung und wie hat sich das im Laufe der Elternschaft geändert?

Ich selbst. Rückblickend stand ich mir oft selbst im Weg und habe zu wenig reflektiert, was das Kind eigentlich mit mir macht. Warum ich reagiere, wie ich reagiere. Sagt einem ja auch keiner vorher, dass man sich derart intensiv mit sich selbst auseinandersetzen muss, um dies auch mit Kind tun zu können. Das ist auch heute noch die größte Herausforderung, auch wenn ich das Gefühl habe, sehr viel mehr ich zu sein, als ich das unter Umständen vor dem Vatersein war.

  1. Siehst Du Dich in Deinen Kindern wieder und berücksichtigst Du das in Deiner Erziehung? Also bist Du zum Beispiel aufbrausend und versucht genau das nicht zu vermitteln oder versucht Du Deine Talente weiterzugeben?

alleinerziehender papa Johnny liest vor Papa InterviewMeine Tochter weiß, dass ich viel schreibe. Natürlich interessiert sie sich trotz ihrer jungen vier Jahre bereits ebenfalls sehr für Buchstaben. Sie schreibt ihren Namen und sagt, sie will die anderen Buchstaben jetzt auch endlich mal lernen. Das fördere ich tatsächlich, wenn auch sehr behutsam und spielerisch. Ich sehe in meiner Tochter aber auch oft eine innere Zerrissenheit zwischen ihren Temperamenten. Das kenne ich von mir selbst nur allzu gut. Ich sehe es, ich spüre es an ihr, aber mehr als sie in ihren Entscheidungen bestärken mache ich in der Hinsicht eigentlich nicht.

  1. Würdest Du an Deiner beruflichen Situation gerne etwas ändern?

Genau in diesem Moment muss ich sagen: ja. Ich bin sehr dankbar für die unglaublich viele Zeit, die ich mit meiner Tochter habe. Dennoch sehne ich mich nach neuen Ufern. Leider ist das leichter gesagt als getan. Alleinerziehend die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirklich zu schaffen, gleicht oftmals der Quadratur des Kreises. Derzeit bin ich selbständig, könnte mir aber vorstellen, Teilzeit nebenher in einer Agentur zu arbeiten. Ob das aber passieren wird… vielleicht.

  1. Würdest Du gerne an deiner privaten Situation etwas ändern z.B. mehr Sport?

Die App sagt, ich bin heute mehr 20.000 Schritte und 26 Stockwerke gelaufen. Reicht doch, oder? Es verändert sich gerade ganz viel bei uns. Auch, weil ich es eben so wollte. Wenn es dann hoffentlich wieder ein wenig ruhiger wird, könnte ich mir durchaus auch wieder eine Beziehung vorstellen. Das sehe ich aber entspannt, ich bin glücklich und zwar im Hier und Jetzt.

  1. Was geben Dir die Kinder am meisten emotional? Hat sich Deine Sicht auf bestimmte Dinge geändert?

Wahrscheinlich ist es Ruhe. Und Geduld. Manchmal aber auch jede Menge Nerven. Also die kostet meine Tochter mich dann, die gibt sie mir nicht. Ach, wäre es schön, wenn sie das könnte. Als Vater erziehe ich bedürfnisorientiert und brauche manchmal ein paar mehr Nerven. Das ist mein Weg, den ich für mich gefunden habe. Nicht, weil ich das, was ich tue als ultimativ richtig empfinde, sondern weil es sich für mich menschlich anfühlt.

  1. Welche Eigenschaften sind Dir wichtig an Menschen und insbesondere an Deinen Kindern?

Offenheit, zumindest doch aber Toleranz. Wenn ich jemanden mag und mich sicher fühle, dann gebe ich beides bedingungslos. Das versuche ich auch meiner Tochter mitzugeben.

  1. Wir, schnabel-auf.de, sind ja ein Blogazin rund um gesunde Kinderernährung. Welchen Stellenwert hat bei dir eine gesunde Ernährung und wie bringst du deinen Kindern einen gesunden Umgang mit dem Essen bei?

Gesunde Ernährung ist mir sehr wichtig. Bei uns gibt es immer frisches Obst und Gemüse – und meine Tochter liebt es. Vor allem liebt sie die Abwechslung. Mindestens genauso wie sie aber auch ihre Süßigkeiten liebt. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich halte nichts von Verboten, denn von Verboten kann man nichts lernen. Essen soll offen sein, ganz ohne Druck und es darf sogar Spaß machen. Naja, solange zumindest ab und zu mal eine Gabel mit Essen im Mund landet.

  1. Hast du ein Lieblingsrezept für uns?

Ich bin ein einfach gestrickter Typ. Und genau so mag ich auch meine Rezepte. Im Sommer habe ich viel Salat gegessen. Statt Dressing gab es hier aber Tahini, also Sesamsauce als Dressing. Das gibt Tomaten, Gurken usw. eine nussige Note und schmeckt auch viel runder als wenn man den Salat in Essig und Öl tunkt. Morgens essen wir derzeit täglich Porridge. Meins erkennt man ganz leicht an den Bananenstückchen und den Chia-Samen drin sowie an dem Zimt obendrauf.

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Von | 2018-11-08T12:18:48+00:00 November 12th, 2018|Allgemein, Aris Artikel, Papa-Interview, Themenmonat November|0 Kommentare

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