Holger Stromberg

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Holger Stromberg2018-06-06T09:52:47+02:00

Holger Stromberg weiß Bescheid!

Der Starkoch unter unseren Gastautoren

1972 geboren in Münster, wächst Holger Stromberg im elterlichen Gasthaus Stromberg mit über 180jähriger Gastronomie-Tradition auf. Nach Lehrjahren in der SterneGastronomie erarbeitet er sich als jüngster Koch Deutschlands mit 23 Jahren den begehrten Michelin-Stern im Restaurant Goldschmieding und verteidigt diesen bis Ende 1998. Von 1999 bis 2002 wirkt er als Chef de Cuisine im Hotel Mandarin Oriental Munich und revolutioniert als Präsident der Köchevereinigung „Junge Wilde e.V.“ die deutsche Foodszene.

Von 2007 bis 2017 begleitet er im DFB Betreuerstab als Koch und Ernährungscoach die Deutsche Fußballnationalmannschaft und kehrt 2014 als Koch der Weltmeister aus Rio zurück. 2017 gründet er die Stromberg Consulting GmbH und berät als Nutritionist im Bereich Ernährung Unternehmen aller Art. Er entwirft Visionen, setzt Impulse, entwickelt individuelle Strategien und begleitet die Auftraggeber mit systemischem Wissen und realer Erfahrung aus erster Hand.

Interview Teil 1

Herr Stromberg, vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit für dieses Gespräch nehmen. Sie waren der jüngste Sternekoch Deutschlands, betreiben jetzt ein erfolgreiches Restaurant in München, haben eine Kochschule und auch ein Cateringunternehmen heute mehrere Eventlocations in München und Waltrop, ein europaweit agierendes Cateringunternehmen, bieten Koch- und Ernährungskurse und sind als Berater und Nutritionist im Feld betriebliches Gesundheitsmanagement hoch gefragt. Vielen sind Sie auch als langjähriger Koch der Fußballnationalmannschaft ein Begriff.

Wie wichtig ist „gesunde Ernährung“ für Sie persönlich und Ihre Familie?

Das Thema Ernährung ist mein zentrales Thema, beruflich wie privat. Bei mir kommen mindestens 85% naturnahe, reine Lebensmittel auf den Tisch. Das fängt schon beim Frühstück an und zieht sich durch den Tag, denn nur Reines tut mir und meiner Familie auch wirklich gut. Getreu meinem Credo „truly energetic“, das sich durch all meine Unternehmenszweige zieht.

Können Sie Ihre Idee von „gesunder Ernährung“ kurz umreißen?

Ich versuche bei meiner täglichen Arbeit die Menschen von den Verwirrungstaktiken der Lebensmittel- und Diät-Industrie zu bewahren, indem ich das kleine 1×1 der Ernährung vermittle und den Menschen näherbringe, wie einfach leistungssteigernde und gesundheitserhaltende Ernährung doch ist, wie gut sie sich anfühlt und was jeder von uns durch kleinste Veränderungen schon bewirken kann.
Eine ausgewogene Ernährung besteht aus Eiweißen, Fetten, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen – in Abhängigkeit von Aktivität, Muskelmasse, Geschlecht, Gesundheitszustand und Alter. Eine ausgewogene Ernährung allein ist allerdings ohne hohe die energetische Relevanz der eigentlichen Lebensmittel und ohne fachgerechte Zubereitung bei einem Großteil der Lebensmittel nicht ausreichend um sich gesund zu ernähren. 20% unserer Ernährung sollten meiner Meinung nach nur Kohlenhydrate ausmachen und dabei ein hoher Anteil in komplexer Form wie Vollkornprodukte, Naturreis etc. verzehrt werden. Das derzeit als Heilsbringer beschriebene Eiweiß sollte nur 10-20% ausmachen. Fett hingegen wurde lange Zeit zu unrecht verunglimpft. Wichtig ist hier, die Reinheit und das richtige Fettsäuren-Verhältnis. Der allergrößte Teil unserer Ernährung sollte aus Gemüse bestehen, nur ein kleiner Teil aus Obst. Auch hier gilt, in oder auf so naturgesunden Böden wie nur möglich gewachsen. Also zum Beispiel Bio, am besten in höchster Demeter-Qualität.

Als grobe Faustregel in Sachen Qualität gilt: mindestens 80% der Lebensmittel sollten so natürlich wie möglich gewachsen sein. Je mehr (prozentual von der Gesamtmenge) und natürlicher, umso besser. Den kleineren Teil industrieller Süden kann unser Körper Reinigungssystem dann gut bewältigen. Bei Fleisch und Fisch ist es wichtig, dass sich die Tiere frei bewegt und natürlich ernährt haben. Beim Rind oder Lamm ist das Gras und Heu. Bei Hühnern sind es Samenkörner, Würmer, Blätter, Beeren, kleine Insekten aber auch Gras. Nahrungsmittel, die ohne Sonnenlicht und nicht in der Natur erzeugt wurden, machen für uns keinen Sinn und für mich ganz persönlich begehen wir an den Tieren beim Kauf solcher ein „Verbrechen“. Pflanzen oder Tiere, bei denen während der Aufzucht Pestizide, Schimmelpfilzgifte, Antibiotika oder Hormone angereichert werden, können für uns wohl kaum als qualitativ hochwertige Nährstoffquelle dienen. Diese sollte man tunlichst meiden.

Das klingt schon ein Stück weit nach Berufung und einer Mission „Ernährung“ …

Mir ist es wichtig, den Menschen die Angst zu nehmen und im Gegenteil zu vermitteln, dass sich gesund und genussvoll essen in keinster Weise ausschließt. Nur natürliche, qualitativ hochwertige Lebensmittel sind nicht ihrer Identität beraubt, sind wirklich schmackhaft, versprechen ehrlichen Genuss und liefern uns die Stoff zum Leben, die wir wirklich brauchen. Und sie brauchen sicher keine künstlichen Aromen und Zusätze, die wiederum nicht natürlicher Abstammung sind.
Ich möchte Menschen dafür gewinnen, sich ihre Lebensmittel bereits vor dem Genuss förmlich im Geist sowie auf der Zunge zergehen zu lassen und sich im Anschluß bewusst zu werden, wie man sich danach fühlt: Was sagt der Bauch dazu? Völlegefühl, Blähungen, Durchfall, Verstopfung etc. oder fühlt sich alles richtig und gut an? Wie steht es um das Energielevel? Müde, matt, unkonzentriert oder kraftvoll. Konzentriert und positiv geladen? Wie ist die geistig-seelische Verfassung auf das Verdaute? Gut drauf oder eher ängstlich und betrübt? Was ich damit zum Ausdruck bringen will? Dass alles, was wir essen, eine Auswirkung hat. Dass wir das essen sollen, was uns selbst gut tut. Dass wir uns nicht blindlings auf allgemeine allgemeine Ernährungsweisheiten verlassen sollten. Denn unser eigener Körper ist unser treuester Verbündeter und wir unser eigenes Glückes Schmied. Darum sollten wir unserem Menschenverstand, unserer Nase, unserem Körpergefühl und unseren Traditionen wieder mehr vertrauen und stets auf der Suche nach der besten Qualität sein.

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