Reiseapotheke ausgearbeitet von einem Ärzteteam der ehemaligen Abt. für Naturheilverfahren

(Chefarzt: Priv.-Doz. Dr.med. Rainer Brenke) des Kreiskrankenhauses Simbach am Inn

(ehemals erste deutsche Modellklinik für ganzheitliche Grundversorgung)

Überarbeitet von Dr. med. Harald Hüther, prakt. Arzt, Landshut

Reisen ist nach wie vor eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Doch was tun, wenn einem der Urlaub durch unerwartete Gesundheitsstörungen verleidet wird? Klimawechsel, ungewohnte Umgebung, schlechte hygienische Verhältnisse im Urlaubsland oder auch das Reisen an sich (lange Autofahrten, Flug, Schiffsreise) können den Urlaub zum Alptraum werden lassen. Und wie erklärt man einem arabischen Apotheker oder Arzt – falls man denn einen solchen findet, daß man ein Mittel gegen Durchfall möchte? Es ist daher sinnvoll, für die wichtigsten Reisebeschwerden eine kleine Reiseapotheke mit sich zu führen.

Ebenso unverzichtbar ist eine gute Reisevorbereitung.

Personen, die auf eine ständige Medikamenteneinnahme angewiesen sind, sollten sich rechtzeitig vor Antritt der Reise mit einer ausreichenden Menge ihrer Medikamente versorgen und diese möglichst so im Reisegepäck verstauen, dass sie auch auf einer längeren Bus- oder Flugreise greifbar sind.

Wer zu Zahnbeschwerden neigt, sollte vor Antritt der Reise auch einen Besuch beim heimatlichen Zahnarzt erwägen, denn ein vereiterter Weisheitszahn kann den Urlaub zum Höllentrip werden lassen. Zu einer guten Reisevorbereitung gehört auch die Information über die speziellen Bedingungen im Reiseland. Der Hausarzt, Gesundheitsämter und auch der Reiseveranstalter können hier die notwendigen Auskünfte geben. Ausführlich sollten Sie sich auch über den notwendigen und teilweise vorgeschriebenen Impfschutz informieren.

„Last minute“ – Reisende sind besonders gefährdet.

Es ist selbstverständlich, dass bei schwereren Erkrankungen oder Unfällen im Urlaubsland alles versucht werden muss, um eine professionelle ärztliche Hilfe zu erreichen. Viele „Wehwehchen“ lassen sich jedoch selbst kurieren. Dabei sollte man wegen ihrer meist geringeren Nebenwirkungen einfache Allgemeinmaßnahmen und naturheilkundliche Mittel bevorzugen. Muss man sich in schwereren Fällen alleine behelfen, so kommt man um „chemische Mittel“ manchmal nicht herum, auch wenn diese mit einem größeren Risiko behaftet sein sollten. Nutzen und Risiko müssen immer kritisch gegeneinander abgewogen werden, oftmals helfen die Packungsbeilagen.

Die folgende Tabelle soll eine kleine Anregung geben, Anspruch auf Vollständigkeit oder Wirksamkeit im Einzelfall kann daraus nicht abgeleitet werden, ebensowenig wie auf die Unbedenklichkeit und Risiken im Einzelfall. Immer sollte man seine Reiseapotheke individuell zusammenstellen, jeder weiß am besten, zu welchen Störungen er neigt. Als Grundstock können auch fertige „Basis-Sets“ (z.B. von ratiopharm) dienen, die in einer praktischen Thermotasche untergebracht sind.

In vielen Fällen helfen einfache Mittel, in schwereren Fällen wird man um die Anwendung klassischer Arzneimittel bzw. das Aufsuchen eines Arztes nicht herumkommen.

Krank­heits­bild Krank­heits­bild Phyto­therapie und Homöo­pathie Konven­tionelle
Augen­reizungen Quarkkom­presse oder Kompresse mit kaltem Wasser auf geschlos­sene Augen legen, Sonnen­brille am Tag!

Kalte Schwarzteekompressen auflegen

Euphrasia Augen­tropfen

(oder Euphrasia D6 Glob. in Wasser gelöst), ggf. abgekoch­tes Wasser oder Wasser aus Flaschen ver­wenden!

Vividrin-ectoin-Augen­tropfen
Durchfall

(bes. bei Reisen in latein­amerika­nische Länder in Erin­nerung an den Azteken­herr­scher auch „Monte­zumas Rache“ gen-

annt)

Vorbeugen, besonders in den Tropen: „Boil it, peel it, cook it or forget it!“ Kein Speise­eis, kein Leitungs­wasser, keine Eiswürfel! Meeres­früchte und Fleisch nur gut gekocht/gebraten, Obst frisch geschält.

Wenn es einen erwischt hat:

Zwieback, Weiß- oder Knäcke­brot, sonst weit­gehend Fasten, viel trinken, Salz­stangen essen, Brüh­würfel auflösen (Ersatz von Blut­salzen) oder Brühe trinken

v.a. bei Kindern sehr beliebt z.B. folgende Mischung: je 1/3 Coca-Cola, Schwarz­tee und Mineral­wasser (ohne Kohlen­säure) mit wenig Salz mischen

xxxbei unklarer Ursache: Carbo vegetabilis D6 Glob. in Wasser gelöst, 1 Schluck alle 5-10 Minuten

Bei Lebensmittel-vergiftung:

Arsenicum album D12 Glob., alle 10 Minuten 3 Globuli

Gegen eine Entzündung helfen Myrrhinil Intest (1 bis 2 Tage 3×4 Drg., dann 3×2), (Enthält Kohle, Myrrhe und Kamille)

Fertig­präparat: Diarrheel SN Tabletten, bis zu stündlich eine Tabl.

xxxPerenterol, Imodium akut, Medi­zinische Kohle (nicht bei fieber­haftem Durchfall).

Bei Durch­fall durch spezifische Erreger (z.B. Ruhr, Cholera) sind anti­biotische Behandlung und evtl. Infusionen nötig

Erkältung (Siehe auch u. Fieber, Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen)

Viele Vitamine, körperl. Schonung

Vorsicht bei häufigem Wechsel von klimatisierten Räumen!

Ganz zu Beginn: Aconitum D12 alle 10 min.

Esberitox Tbl (2-3 Tage lang 10 Tbl. Tgl.)

Aspirin plus C
Fieber ausreichend Trinken, evtl. Einlauf, Waden­wickel, absteigendes Bad, bei dem die Wasser­temperatur durch Ein­lassen von kaltem Wasser in die Badewanne allmählich gesenkt wird. Komplexmittel: Grippheel Tbl ( – 10 Tbl. tgl.)

Contramutan (Tropfen oder Drg.)

Viburcol – Fieber­zäpfchen (für Kinder)

„normales“ Gippe – Fieber: auch Ferrum phosph. D4 bis D6

Paracetamol bis 1000mg (bei Kindern 125 – 500mg)
Hals­schmer­zen Salbeitee (aus frischen Blättern, 10 Minuten ziehen lassen) zum Gurgeln, evtl. Kamillentee, Salzwasser z.B. Cefalym-phat-Tropfen, Tonsiotren – Lutsch­tabletten (zu Beginn stündl. 1 Tablette), oder Taoasis Teebaum Lutschpastillen Emser Pastillen, Lemocin Lutsch-tabletten
Hautrei­zungen z.B. nach Kontakt mit Quallen oder Seeigeln gegen Juckreiz: Ein­reiben mit reinem Oliven­öl oder 1EL Olivenöl in ein Glas Milch verrührt einreiben Ledum D6 alle 10 Min., Umschläge mit Caledula­tinktur,

Dolichos D4, auch Cantharis bei „Brenn­schmerz“

Tavegil-Gel, Fenistil-Gel, evtl. cortison­haltige Salbe
Heu­schnupfen Gesichtsbad mit kaltem Wasser, Augen offen im kalten Wasser spülen, Nasen­spülung mit

Meersalz­wasser (auf die Wasser­qualität achten!), abends Haare waschen

Gute Sonnenbrille tragen!

Allium cepa D6,

Euphrasia-Augentropfen,

Euphorbium comp. – Nasen­tropfen

Komplex:

Luffa-Kompl.

(3-6 Tbl. Tgl.)

Tavegil, Fenistil,

Cetrizitin, (Tablet­ten), Nasen­tropfen

Hexen­schuss, Kreuz- und Muskel­schmerzen Stufenbett­lagerung, Wärme­anwendungen (z.B. als Kartoffel­packung) Verheben“: Rhus toxico­dendron D12 alle 15 Min., Bella­donna D6

Komplexmittel: Traumeel Tbl (- 10 Tbl. tgl.) und Traumeel – Salbe

Mobilat-Salbe

Finalgon-Salbe (Vorsicht vor Augen­kontakt!)

Husten Zwiebeltee, kalter Brust­wickel, warme Milch mit Honig Prospan Tropfen 3×10 bis 3×30 (auch als Kindersaft erhältlich)

Meditonsin – H – Lösung

Larylin-Hustensaft
Insekten­stiche Einreiben mit Spitz- (oder Breit-) wegerich

Vorbeugen mit Zedan forte – Milch

Ledum D12 1-2x

bei Bienen- oder Wespenstichen Apis D12

bei Juckreiz s. Hautreizungen

Bei allergischen Reaktionen  Tavegil-Gel, Fenistil-Gel
Kopf-schmerzen/ Migräne Einreiben der Schläfen mit verdünntem Pfefferminzöl Petadolex Ampullen (eigentlich zum Spitzen, vorbeugend) man kann akut auch 1-2 Ampullen trinken Aspirin plus C
Magen­verstim­mungen, Sod­brennen Heilerde 5g/Tag in Wasser auf­gelöst, frisch gepresster Kartoffel- oder Karotten­saft

Viel Wasser (ohne Kohlensäure) trinken

durch Alkohol, zu schweres, zu stark gewürztes Essen, nach Kaffee: Nux vomica D12 1-2×5 Globuli

durch fette Speisen oder Eis: Pulsatilla D12 1-2x

Absinthium Tr.

(3 x 20 Tr.)

Hydrotalcit-ratiopharm (gegen Magen­säure)
Offene Wunden kleineren Ausmaßes, Prellungen oder Blasen Prellungen sofort kühlen

Wunde reinigen, desinfi­zieren, mit sterilen Kompressen und Binden oder Pflaster versorgen. Besonders in den Tropen infizieren sich Wunden sehr schnell!

Arnica D12 2-3xtäglich 5 Globuli

Komplexmittel: Traumeel Tbl. (bis zu 10 Tbl. tgl.) und Traumeel – Salbe

Auflagen mit Calendula­tinktur (z.B. bei Schürfwunden)

Desinfi­zierende Lösungen oder Gel (z.B. Kodan-Tinktur), Brauno­vidonsalbe
Ohren­schmerzen
Heiße Zwiebelpackung auf das Ohr
Otovowen Tr. (3-5 x 20 Tr.)

einnehmen

z.B. Otalgan-Tropfen
Reise­übelkeit Vorbeugen: Im Bus und Auto vorne sitzen, im Flugzeug und Schiff in der Mitte, einen Punkt in der Ferne fixieren,

Ingwerstäbchen naschen

Coccolus C30 1x kurz vor der Fahrt und 1x bei Beginn der Fahrt, auch Tabacum D12 Reise-Tablet­ten-ratio­pharm, Reisegold
Schlaf­störungen Oropax, abends warme Fußbäder Baldrian-, Melisse- oder/und Hopfen­prä­parate, Coffea D12 zur Nacht Noctamid, Valium, Adumbran
Schmerzen

Schmerzen sind ein Warnsignal! Bei nicht ein­deutiger Ursache müssen sie ärztlich abgeklärt werden!

Je nach Ursache und individuellen Besonderheiten hilft bei akuten Schmerzen oft Kälte besser als Wärme (bei chron. Schmerzen umgekehrt). Auspro­bieren! Aconit D12,

Belladonna D12

bei Prellungen oder kleineren Blutergüssen: Arnica D12,

Kopfschmerz: Belladonna C30

Komplex:

Traumeel Tbl. und Salbe

ASS-ratio­pharm 500 oder Paracetamol (siehe auch Fieber),

Buscopan bei Krämpfen innerer Organe

Seekrank­heit Tabacum D12 vor und während der Fahrt Reise­übelkeit
Sonnen­allergie Zur Vorbeugung auf sinnvolle Bekleidung achten („Textilschutz“), Kopf­bedeckung, Sonnen­brille, falls doch Symptome: kalte Kom­pressen Vor Urlaubs­beginn 8 bis 10 Tage je 1 Brause­tablette Calcium 500 pro Tag (aber nicht nur darauf verlassen!)

Similasan Globuli Sonnenallergie zur Vorbeugung und akut

Sonnen­brand Kühlen, Einreiben mit frisch gepresstem Zitronen­saft, evtl. auch verdünn­ter Essig, saurer Rahm äußerlich Belladonna D12 alle 2-3 Stunden, Einreiben mit Olivenöl, Combudoron – Gel oder – Spray Indomet-ratiopharm-Kapseln in schweren Fällen, cortison­haltige Salbe
Sonnen­stich Durch direkte Sonneneinwirkung auf den Kopf (meist kein Fieber!) – Schatten, flach lagern, möglichst kühlen Raum aufsuchen, Kopf, und Nacken kühlen, unbedingt Arzt bei Bewusst­seins­störungen (kommen oft erst in der Nacht danach) Belladonna D12 alle 15 Min. (bei rotem Kopf)

Lachesis C30

Korodin – Tropfen (für den Kreislauf)

Unbedingt ärztliche Therapie nötig (z.B. bei Bewusst­seinstrü­bungen
Thrombose-Vorbeu­gung Tragen von verordneten Kompres­sions­strümpfen insbesondere während der Reise (Gefährlich wird es meist ab einer Dauer von über 4 Stunden), Gymnastik, ab und zu Aufstehen und Umher­gehen Evtl. vom Arzt Heparin verordnen bzw. sprit­zen lassen
Verbren­nungen Stelle immer wieder unter kaltes Wasser halten (wirkt schmerz­stillend und entzündungs­hemmend), Brand­blasen nicht aufstechen, Wunden steril verbinden, bei größeren Ver­bren­nungen kalte Dusche bis zu 20 min, unbedingt Arzt! Cantharis D12 innerlich 3x tgl und als Umschlag,

Komplexmittel: Traumeel Tbl. (- 10 Tbl. tgl.)

.B. Grassolind – Salben-Kompressen (nur bei kleinen Verbren­nungen)
Verstop­fung Ballaststoffreiche Ernährung, rohes Sauerkraut, morgens nüchtern eingelegtes Trocken­obst

lauwarmes Wasser morgens nüchtern trinken, überhaupt viel trinken

Leinsa­men – Granulat,

Abführ – Tee

Laktulose
Wasser- und Mineral­stoff­mangel In den Tropen sehr viel trinken, gut salzen, Brühwürfel, evtl. durch Sauna zu Hause vorbereiten Elotrans-Pulver
Wasser­

blasen

Blasen nicht aufstechen Cantharis D12

Glob. in Wasser auf­lösen und mehr­mals tgl. inner­lich und äußerlich anwenden

Blasen-pflaster
Zahn­schmerzen rhythmisch, stark mit dem Daumen­nagel gegen den Nagel­falz des Zeige­fingers drücken Bell. D12, Strophanthus. D12, Chamomilla D12 (zur Not auch alle auf einmal)

Komplexmittel: Traumeel Tbl. (10 Tbl. tgl.)

Paracet­amol, Aspirin
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Von |2018-08-21T11:53:07+02:00Juni 19th, 2018|Gut zu wissen, Harys Artikel, Themenmonat Juni|0 Kommentare

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