Heute wird es gesund. Und zwar geht es um darmgesunde Ernährung.  Andrea Maurer erklärt uns im Interview, warum Kohlenhydrate grundsätzlich weniger auf den Teller wandern sollten – auch bei Kindern! Low Carb nicht als Trend, sondern als Einstellung. Seid gespannt.

AndreaMaurer_darmgesunde_Ernährung

Ich habe Anfang des Jahres einen Workshop bei Andrea Maurer zum Thema “Darmgesunde Ernährung” gemacht und habe tolle Erkenntnisse mit nach Hause genommen. Und wisst Ihr was? Mir geht es besser damit. Ich komme mit meinen diversen Unverträglichkeiten viel besser klar, wenn ich wenige Kohlenhydrate esse. Und klar, dass wir Kindern das nicht komplett “verbieten” können, aber vielleicht mal etwas reduzieren. Weniger Kartoffeln, mehr Gemüse und Eiweiß. Und wisst Ihr was: Das Kind wird trotzdem satt. Denn eine Lehre besagt: der Mensch fühlt sich dann satt, wenn sein Eiweißlevel erreicht ist. Wer das versucht mit Kohlenhydraten zu schaffen, muss ganz schön viel essen. Klingt für mich mittlerweile total logisch. Ich esse von einem Eiweißbrot auf Nussbasis eine Scheibe und bin satt. Esse ich eine normale (gf) Scheibe, folgt eine zweite und könnte weitermachen. Ergo: esse ich mehr gesunde Fette und Eiweiß als Kohlenhydrate, dann brauche ich gar nicht unnötig viel essen und bin trotzdem für die nächsten Stunden satt. So, aber nun zum Interview:

Wer ist Andrea Maurer?

Andrea Maurer arbeitet als Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Doch ihr Hauptaugenmerk lag schon immer auf der Ernährung und deren Einfluss auf den Menschen. „Bereits in der Schulzeit veranlasste mich mein Interesse für gesunde Ernährung dazu, meine erste Studie zum Säure-Basen-Haushalt durchzuführen. Begeistert von deren positivem Ergebnis, untersuchte ich in meinem Psychologie-Studium den wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Lebensqualität im Rahmen meiner Bachelor- und Masterarbeit. Der dabei nachgewiesene positive Einfluss von natürlicher Ernährung auf die Psyche markierte den Beginn meiner Leidenschaft und Faszination für die Kraft gesunder Ernährung.“

 

1. Du bist für eine darmgesunde Ernährung. Was heißt das für Dich?

Eine darmgesunde Ernährung ist für mich eine Ernährungsweise, die so nah an der Natur gestaltet ist, wie möglich, gemäß dem Zitat des Vaters der Medizin, Hippocrates: „Lass Nahrung deine Medizin und Medizin deine Nahrung sein“.

D.h. nach meiner Definition sollte eine darmgesunde Ernährung reich an Vitalstoffen, frei von zugesetztem Zucker, frei von Getreide, reich an hochwertigen natürlichen Fettsäuren sein und bedarfsorientiert Eiweiß enthalten.

Für die Gesunderhaltung des Körpers sollten Erwachsene pro kg Körpergewicht mind. 1g Eiweiß pro Tag aufnehmen, Sportler sollten mehr als 1,2g Eiweiß pro kg Körpergewicht täglich zu sich nehmen. Kinder benötigen tendenziell eine größere Eiweißmenge pro Tag als Erwachsene, um den Bedarf an essentiellen Aminosäuren für ihren Grund-Stofwechsel und fürs Wachstum abdecken zu können.

Gemäß meiner darmgesunden Ernährungspyramide…

  • stellt Gemüse, insbesondere stärkearmes Blatt- und Wurzelgemüse, die Basis dar
  • sollte hochwertiges Fett in Form von Avocado, Butterschmalz, Kokosnussprodukte und Olivenöl Bestandteil jeder Mahlzeit sein
  • sollten Bio-Eier aufgrund ihrer hochwertigen Aminosäurezusammensetzung Teil des täglichen Speiseplans sein
  • sollte Fisch aus Wildfang 2-3 Mal wöchentlich verzehrt werden
  • sollte Fleisch von gras- und heugefütterten Tieren aus Weide- bzw. Freilandhaltung, bevorzugt helles Fleisch, in Maßen konsumiert werden
  • sollten Nüsse und Samen aufgrund ihres hochwertigen Fettsäureprofils sowie als optimale langanhaltend sattmachende Energiequelle regelmäßig und in moderaten Mengen (ca. eine Handvoll täglich) gegessen werden
  • sollten Milchprodukte, bevorzugt in Rohmilchqualität oder fermentiert, sofern verträglich, als „Genussmittel“ betrachtet werden
  • stellen Obst, bevorzugt fruchtzuckerarmes wie Beeren, und natürliche Nahrungsergänzung, ohne die es meiner Einschätzung nach aufgrund den heutigen Kultur- und Logistiklösungen nicht mehr möglich ist, gesund „alt“ zu werden, den Gipfel dar.

2. Warum spielen Kohlenhydrate hier eine große Rolle?

Die in den letzten Jahrzehnten zunehmend angestiegene Kohlenhydratmenge in Kombination mit einer hohen Mahlzeitenfrequenz führt nicht nur zu einer Überlastung des Verdauungstraktes. Sie führt vor allem zu einem gravierenden Anstieg von chronischen Entzündungsreaktionen. So entstehen Zivilisationserkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II, Adipositas, Herzkreislauf-Erkrankungen oder sogar Krebs.

Neben der Menge an Kohlenhydraten kommt es auch auf die Art an. Stärkearmes Gemüse und Obst wurden bereits in der Steinzeit gegessen und unser Verdauungssystem ist damit bestens damit vertraut. Getreide und Milchprodukte dagegen essen wir Menschen erst seit ca. 10. 000 Jahren. Überzüchtung und Veränderung der ursprünglichen Nahrungsmittel haben diese zunehmend entwertet. Da sich der Mensch seit den letzten 10 000 Jahren genetisch um lediglich 0,05% angepasst hat, ist es nicht verwunderlich, dass der Konsum von Getreide und Milchprodukten häufig zu Unverträglichkeiten führt. In Kombination mit raffiniertem Zucker und industriell verarbeiteten Lebensmitteln kann es sogar zur Zerstörung der Darmflora und des menschlichen Immunsystems führen. Neben dem Klebereiweiß Gluten entwickeln viele Menschen auch gegen weitere Eiweißbestandteile von Getreide Nahrungsmittelallergien. Aus diesem Grund stellen glutenfreie Ersatzprodukte auf der Basis von Mais, Soja oder anderen Getreidesorten auch keine gesündere oder nährstoffreichere Alternative dar.

3. Low Carb – hier denkt jeder an eine Diät. Warum ist das aber auch für Kinder sinnvoll?

Ein häufiger Konsum von Softdrinks, Süßigkeiten, Fertigprodukten und Getreide, welche nicht nur „leere Kohlenhydrate“ beinhalten, sondern auch ungünstige Fettsäuren wie Omega-6- und Transfettsäuren, ist leider immer noch zu oft Standard in Familien. Durch den Vitalstoffmangel kommt es in Kombination mit dem allgegenwärtigen Bewegungsmangel zu Problemen mit dem Immunsystem. Daraus folgt ein Ungleichgewicht der Darmflora und Nahrungsmittelunverträglichkeiten können sich entwickeln. Dieses gilt als Mitauslöser zahlreicher Zivilisations- und Autoimmunerkrankungen.

Deshalb sollte bereits vor der Zeugung bzw. allerspätestens im Säuglingsalter mit einer darmgesunden, möglichst zuckerfreien Ernährung auf der Basis hochwertiger Mikro- und Makronährstoffe begonnen werden.

4. Kohlenhydrate weglassen, heißt alle Zuckerarten weglassen. Oder doch noch mehr?

Nun komme ich noch einmal auf die Evolution unserer Nahrungsmittel zurück. Der Mensch kannte in seinen Anfängen als Jäger und Sammler weder Kartoffeln noch Reis. Diese stärkehaltigen Nahrungsmittel mit hohem glykämischem Index werden erst seit ca. 7.000 Jahren angebaut. Neben Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukten empfehle den Verzehr von Kartoffeln und Reis äußerst gering zu halten oder gänzlich darauf verzichten.

Die Erfahrung zeigt, dass unsere Darmgesundheit durch folgende Maßnahmen deutlich optimiert werden kann:

  • den Verzicht auf raffinierten Zucker,
  • den Verzicht auf Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Reis und stärkehaltiges Gemüse,
  • das konsequente Weglassen der Nahrungsmittel, gegen die eine Unverträglichkeit oder Allergie besteht sowie durch
  • eine optimale Vitalstoffversorgung.

5. Wenn man Kohlenhydrate weglässt, fehlt einem dann was zum sattwerden?

Um langanhaltend satt zu werden und Heißhungerattacken zu vermeiden, braucht es einen ausreichenden Konsum natürlicher Fette. Als hochwertige pflanzliche Fettquellen eignen sich beispielsweise Avocado, Nüsse und Kerne, kalt gepresste Öle wie Olivenöl, Kokosöl sowie schwach entölter Kakao und Schokolade auf Basis 99%iger Kakaomasse.

Mein Tipp: Essen Sie hochwertige Fette, beachten Sie einen angemessenen Eiweißanteil und lassen Sie „leere“ Kohlenhydraten weg. Legen Sie außerdem eine Pause von 4-6 Stunden zwischen den Mahlzeiten ein und entlasten so den Magen-Darm-Trakt. So verhindern Sie Entzündungsgeschehen im Körper und entziehen Krebszellen den Nährboden. Sie betreiben eine sinnvolle Krankheitsprävention. Für Kinder müssen die Pausen nicht so groß sein, aber gerade die leeren Kalorien sollten langfristig vermieden werden.

6. Was sind Deine Alternativ-Beilagen?

Für Alternativ-Beilagen gibt es zahlreiche Möglichkeiten:

Als Ersatz für Nudeln auf Basis von Getreide, Hülsenfrüchten oder Reis eignen sich die sehr schmackhaften Gemüsenudeln, z.B. aus Karotten, Rote Beete, Süßkartoffeln oder Zucchini. Darüber hinaus stellen nährstoffreiche Algennudeln sowie Shiratakinudeln aus der Konjakwurzel weitere Alternativen dar.  Einfach mal probieren, ob die Kinder ab 3 die Nudeln auch mögen.

Aus Kohlgemüse, Kürbis (bevorzugt Butternut-Kürbis, da kohlenhydratärmer als die anderen Sorten) und Zucchini lassen sich beispielsweise hervorragend Pizzateige, Pürees, Puffer, Reis und Pommes Frites zaubern. Hanfmehl, Hanfsamen, Kokos-, Kürbiskern-, Leinmehl, Leinsamen, gemahlene Nüsse, Nussmehle oder Sesammehl sowie Chia- und Flohsamenschalen können dabei ergänzend eingesetzt werden.

Schaut mal hier: wir haben zahlreiche Rezepte, die sehr kohlenhydratarm sind, aber den Kiddies hervorrangend schmecken!

7. Was sind Deine Mehlalternativen bei einer getreidefreien Ernährung? Zum Beispiel Pfannkuchen, wie machst Du die?

Meine Mehlalternativen stellen v.a. Nüsse in gemahlener, gehackter, gestiftelter Form oder als Bruch dar.

Zum Backen bzw. zum Zubereiten von darmgesunden Mehlspeisen eignen sich darüber hinaus sehr gut Kokos- und Mandelmehl, Chia- und Flohsamenschalen und Low Carb Backpulver.

In Kombination mit Eiern oder Ei-Alternativen lassen sich daraus hervorragende Kuchen, Desserts und gesunde Süßspeisen zubereiten.

Ein mögliches Rezept für darmgesunde Pfannkuchen sieht wie folgt aus:

 


Darmgesunde Pfannkuchen (2 Portionen):
Zutaten:
4 EL geschrotete Leinsamen
4 EL gemahlene Paranüsse
2 Eier
1 Prise Salz
Zubereitung:
Alle Zutaten mit 100 ml Wasser verrühren. Den Teig 10 Min. quellen lassen.
Butterschmalz /Kokosöl in einer kleinen Pfanne erhitzen.
Ein Viertel des Teiges gleichmäßig darin verteilen. Den Pfannkuchen bei mittlerer Hitze so lange backen, bis er gestockt und die Unterseite leicht gebräunt ist. Dann vorsichtig wenden, bis auch die andere Seite leicht gebräunt ist.
Mit dem weiteren Pfannkuchen genauso verfahren.
Die Pfannkuchen schmecken sehr fein belegt mit Guacamole, Räucherlachs und Rucola.
Viel Genuss beim bewussten Verzehren 😊!
 
 

Die positiven Erfahrungen als Healthy Gut-Beraterin, kombiniert mit meiner Leidenschaft für die darmgesunde Küche, ließen mich darmgesunde Nahrungsmittel entwickeln. Die Lebensmittel sollen gesundheitsbewussten Menschen und Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten alltagstaugliche Lösungen anbieten und ihnen damit ein Stück weit Gesundheit ermöglichen.
Näheres zu unserem vive natura-Konzept erfahren Sie unter www.vivenatura.de sowie zu meiner Tätigkeit als Healthy Gut-Beraterin unter www.andreamaurer.de .

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Von |2019-04-29T20:06:45+02:00Februar 19th, 2019|Allgemein, Empfehlungen, Saras Artikel, Themenmonat Mai|0 Kommentare

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