1 Jahr mit Corona und Zöliakie – meine Geschichte

„Wer hätte das vor einem Jahr gedacht!“, dieser Satz ist quasi Dauersatz in meiner Familie. Und es stimmt ja auch. Keiner von uns hätte gedacht, dass dieses Jahr so prägend, so spaltend, so energiekostend und auch voll mit neuen Erfahrungen ist. Mein Jahr mit Corona und Zöliakie möchte ich in diesem kurzen Beitrag aufzeigen. Er soll ehrlich sein, Mut machen und die positiven Seiten aufzeigen. Deshalb bedanke ich mich sehr bei der lieben Ann von www.getreidefeind.de. 

Sie hatte die Idee für eine kleine Bloggerparade, in der alle Betroffenen über Ihr Jahr erzählen. Unter diesem Link könnt Ihr alles dazu lesen.

Wie ging es mir also in diesem Jahr unabhängig der Zöliakie?

Urlaubscheckliste schnabel.auf.de

Dieses Jahr hat so viele Aspekte. Und bevor ich zu Corona und Zöliakie komme, möchte ich die anderen Aspekte erläuten und sagen, warum ich das Jahr als sehr anstrengend empfinde:

  • Ich bin eine Workingmum mit 30 Stunden die Woche. Diese stetige Ungewissheit und das Organisieren der Kinderbetreuung ist sehr anstrengend. Die Tatsache, dass man alles nur noch schnell schnell abarbeitet und der Freiraum fehlt für Kreativität ist belastend. Auf der anderen Seite aber habe ich gelernt, dass es sehr wohl mit Kind daheim geht. Dass es zwar anstrengender ist, aber ich mein Kind soviel um mich haben darf wie wahrscheinlich nie wieder. das ist schön!
  • Ich bin ein Mensch, der sagt was er denkt. Und auch das wurde mir in diesem Jahr zum Verhängnis, Ich habe das Gefühl, dass die Toleranz unter den Menschen noch geringer geworden ist. Schnell wird man als Coronaleugner abgestempelt oder als „Mitläufer“. Egal ob Impfbefürworter oder -gegner – es ist schwer seine eigene Meinung zu vertreten, ohne dass man auf Widerstand trifft. Egal in welche Richtung. Und trotzdem kann man auch hier was positives draus ziehen: Lernen nicht zu verurteilen, lernen zuzuhören  ohne zu werten. Sich mit sich alleine beshcäftigen und sich nicht ablenken.
  • Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Mich und meine Familie einzusperren ist wie einen Löwen zu bändigen. Wir leiden darunter. Und ich sage nicht, ob die Bestimmungen richtig oder falsch ist. Aber uns fehlt es unsere Familie in Thailand zu besuchen, uns fehlt es, einfach ins Auto steigen und einen Kurztrip zu machen. Uns fehlen die fremden Gerüche, Menschen und Eindrücke. Und auf der anderen Seite macht es kreativ. Wir ahben zuhause einiges verändert, wir haben viele viele neue Spiele für uns entdeckt und Basteleien.

Damit möchte ich aufzeigen, dass es immer zwei Seiten der Medaille gibt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich weiter Arbeit hatte, mehr als ich wollte. Dass bei uns keiner Corona bekommen hat und das wir das Glück haben auf dem Land mit Garten und nahem Wald zu leben.

Wie ging es mir mit Corona und Zöliakie?

In Bezug auf Corona und Zöliakie ist es ein Jahr des Durchatmens. Und wisst Ihr warum? Weil die „unsoziale Zeit“ sehr viel erleichtert. Es ist ja doch so, dass man sich gerne zu Mahlzeiten trifft. Man trifft sich gern mit Freundinnen zum Brunch, man trifft sich zum Date in einem romantischen Restaurant, als Familie trifft man sich zum Grillen oder zu Picknick-Ausflügen.

Als ein Mensch mit Zöliakie oder Unverträglichkeiten birgt sich hinter diesen wunderbaren Aktivitäten immer doch ein immenser Aufwand. Da stellt man sich Fragen wie „Was nehme ich mir zum Essen mit zu den Freunden?“, „Ob es in dem Restaurant wohl etwas für mich zum Essen gibt?“. Alles machbar, aber eben mit Aufwand verbunden. Mit Zöliakie geht das ja noch einen Schritt weiter, da wir schon kleine Krümel nicht vertragen bzw. die Krümel großen Schaden im Darm anrichten können. Dazu gibt es hier ein gutes Video zur Aufklärung.

Das bedeutet eben auch, dass es nicht reicht, wenn mir meine Freundin hilfsbereit einen glutenfreien Kuchen backen möchte, wenn Sie ihre Backutensilien hernimmt, mit den sie normalerweise glutenhaltigen Kuchen backt. Denn da können Rückstände sein und die schaden mir schon. Deshalb kann ich den Kuchen beim besten Willen nicht essen. Ja es ist wirklich so. Und da kommen wir zum nächsten Punkt: Das Verständnis. Nicht jeder hat Verständnis dafür. Man muss sich erklären, man sich auch mal „dumme Sprüche“ anhören, die teilweise mehr weh tun, also die Bauchschmerzen nach Gluten.

Und deshalb sage ich ganz Klar: „Der Lockdown ließ mich aufatmen.“

gesund grillen Vorbild sein Schnabel-auf.de

Auch wenn ich ein sehr sozialer Mensch bin und gerne in Gesellschaft esse. In diesem Jahr konnte ich einfach frei nach meinem Gusto kochen und essen – ohne mich groß erklären zu müssen. Ohne schon satt in ein Restaurant mitzugehen und den anderen beim Essen zuzuschauen. Deshalb gebe ich ehrlich zu: Ich habe es genossen.

Und unabhängig von Corona und Zöliakie – es uns noch mehr gebracht.

Auch meine Tochter mit ihrer Fruktosemalabsorption hat von diesem Jahr profitiert. Normalerweise isst sie im Kindergarten. Aber durch die viele Zeit daheim, konnte ich ein Auge darauf haben, was sie wirklich den ganzen Tag zu sich nimmt. Und nach ein paar Wochen hatten wir schon gemerkt:

  • weniger Bauchweh
  • bessere Laune
  • mehr Verständnis dafür was geht und was nicht
  • mit der Zeit mehr Toleranz gegenüber Fruktose

Zum letzten Punkt: Wir haben quasi eine natürlcihe Karenzphase über Monate mit ihr gemacht, zu der wir sie nie bekommen hätten. Sie ist 6 Jahre alt und natürlich mag sie nicht mit Verboten aufwachsen am Essenstisch. Wir daheim geben ihr nur, was sie verträgt. Doch im Kindergarten wollte ich sie nicht zum Außenseiter machen und habe nur Saft und Obst verboten. Doch die lange Phase daheim war für sie Erholung für den Darm. Ohne dass sie es gemerkt hat. Und siehe da ….. jetzt geht schon mal hier ein Stückchen Apfel mit Joghurt. Also war auch das ein wirklich positiver Aspekt.

Das geht natürlich nicht bei Zöliakie, da bleibt das strikte Verbot. Aber dennoch ist auch diese Zeit für Kinder mit Zöliakie eine Art Erholung – keine Extrawurst bei Geburtstagsfeiern, kein Außenseiter sein bei Landschulheim und Co, weil einfach alle daheim bleiben. So blöd sich das anhört. Man sitzt plötzlich nicht mehr im Extra Boot. Sondern wir sitzen alle gemeinsam in einem Boot und wollen gesund und sicher durch die Pandemie.

Aber mein Fazit: Die Erholung war nun genug. Ich bin wieder bereit dafür mich zu erklären, hauptsache die Pandemie ist bald vorbei.

Hast Du noch Fragen dazu? Nutze die Kommentarfunktion.  Noch mehr über Zöliakie und die glutenfreie Ernärhung liest Du hier.

Und da alle unsere Rezepte glutenfrei sind, stöbere gern durch unsere Vielfalt an Hauptspeisen.

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